Der Weg zum Reichtum

Der Weg zum Reichtum

Der Weg zum Reichtum führt über eine klug arrangierte Ehe, das fristgerechte Ableben eines passenden, vermögenden Erblassers oder den Jackpot beim Lottogewinn. Dumm gelaufen: Ich bin noch immer kein Millionär. Du wahrscheinlich auch nicht. Wenn die vorherigen Vorschläge noch nicht gefruchtet haben: Wie könnte für uns der Weg zum Reichtum aussehen?

So wird das nix!

Meine Freundin ist keine Millionärin. Milliardärin leider auch nicht. Tja, ich möchte sie trotzdem nicht eintauschen. An dieser Stelle bin ich ein wenig sentimental und stelle andere Werte als die des Aktiendepots, des Tresorinhalts und des Immobilienportfolios in den Vordergrund. Liebe, Vertrauen und so emotionalen Tüddelkram. Nennt mich naiv, nennt mich altmodisch.

Auf die nicht vorhandene steinreiche, aber kinderlose Erbtante kann ich mich auch nicht verlassen.

Die Wahrscheinlichkeit auf den Lotto-Jackpot liegt bei 1:139.838.160 [1]. Dieser Wert ist erst einmal relativ abstrakt. Aber wir könnten ein paar andere Ereignisse ins Verhältnis setzen: Die Wahrscheinlichkeit auf Fünflinge liegt bei rund 1:50.000.000. Das wäre also fast dreimal wahrscheinlicher. An einem Blitzschlag sterben in Deutschland jedes Jahr etwa drei bis sieben Menschen. Wenn wir sagen, jedes Jahr sterben fünf Menschen durch Blitzschlag und das in Relation zu den rund 83 Millionen Einwohnern setzen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen tödlichen Blitzschlag bei rund 1:16.600.000.

Noch ein kleiner Fun-Fact: Wenn ich zweimal pro Woche einen Schein abgebe, auf dem ich zehn Felder ausgefüllt habe und jedes Mal andere Zahlen wähle, dann habe ich alle Möglichkeiten schon nach etwas mehr als einhundertvierunddreißigtausend Jahren abgedeckt. Die paar Jährchen, die dann noch zwischen dieser runden Zahl und dem tatsächlichen Wert liegen, sind mit einer Lebensspanne von schlappen 459,77 Jahren doch nicht der Rede wert. Wahrscheinlich wird das mit dem Lottogewinn also nichts werden.

Der Weg zum Reichtum

Achtung, Spoiler: Mehr Einnahmen als Ausgaben!

Klugscheißer. Ist doch klar, dass ich finanziell besser dastehe, wenn meine Ausgaben geringer sind als meine Einnahmen.

Laut statista [2] haut das aber bei immerhin rund 6,85 Millionen Einwohnern in Deutschland nicht hin. Die Schuldnerquote ist zwar 2020 leicht gesunken, liegt aber noch immer bei 9,87%. Klar, in etlichen Fällen ist das erst einmal Pech. Krankheit, Unfall, Scheidung, Firmenpleite. Aber manche haben das simple Prinzip nicht verstanden – oder gar nicht erst gelernt.

Die Geschichte mit dem Auto

Um das mit einem konkreten Beispiel zu erläutern, möchte ich das mit einem Schwank aus der Zeit verknüpfen, als ich formal die Schwelle zur Volljährigkeit überschritten hatte. Ein paar Jährchen später war für den Weg zur Ausbildungsstelle ein Auto die in meinen Augen praktikabelste Lösung. Ich habe mir so eine gebrauchte Blechkiste auf vier Rädern gekauft, die sagenhafte 45 PS und farblich eine gewisse Ähnlichkeit hatte zur Verpackung einer alkoholgefüllten Praline, die irgendeine Verbindung mit Kirschen hat. Jetzt gab es in meinem Bekanntenkreis eine Person (eigentlich mehrere), die meinte: „In so etwas würde ich nie herumfahren!“.

Tatsächlich fuhr er kurz darauf in einem schicken hochmotorisierten Modell eines bajuwarischen Automobilherstellers vor. Zugegeben: Das Auto gefiel mir auch besser. Gefahren ist er die Karre aber nur ein paar Wochen. Danach stand sie abgemeldet in der Garage. Er konnte die Versicherung, den Sprit, die Versicherung und die Raten für den Kauf des Gebrauchten nicht mehr gleichzeitig bedienen. Das Einmotten war die Lösung: So musste er nur noch die Kaufraten begleichen, was er sich so gerade noch leisten konnte.

Also kein BMW (und erst recht kein Ferrari, Lamborghini, Aston Martin oder Rolls Royce) auf dem Weg zum Reichtum?

Sportwagen
Ein teurer Sportwagen

Ich glaube, dass die Reihenfolge entscheidend ist. Wenn Du unbedingt einen Flügeltürer mit Stern, einen McLaren oder anderen Exoten fahren möchtest, dann kann das eine sehr starke Motivation sein: Du musst vorher „nur“ die Grundlagen schaffen, dass Du Dir ein solches teures Gefährt auch langfristig leisten kannst.

Wobei man natürlich vor dem Hintergrund einer Klimakatastrophe auch über eine Bahncard 100 nachdenken könnte …

Steigende Sparsummen

Entschuldige mein Abschweifen. Zurück zur Ursprungsfrage. Wie werde ich reich, auch ohne doch auf die drei Utopien vom Anfang zurückgreifen zu müssen?

Erster Schritt: Geld zurücklegen

Ich muss also Geld zurücklegen. Aber wieviel? Wenn Du es noch nicht führst, könnte ein Haushaltsbuch helfen, einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu gewinnen. Am Ende des Jahres sollte mehr reinkommen als abfließen. Ist das Gegenteil der Fall, dann musst Du erst einmal alles in Deiner Macht stehende tun, um das Verhältnis in die richtige Richtung zu lenken.

Sagen wir also, Du hast am Ende des Jahres 1.200 Euro mehr Einnahmen als Ausgaben (wichtig: auch seltenere Anschaffungen wie ein Auto, eine Waschmaschine etc. solltest Du bereits in die Ausgaben mit einbeziehen). Dann solltest Du genau jetzt einen Dauerauftrag einrichten und jeden Monatsersten 100 Euro (das ist ein Zwölftel der 1.200 Euro, die Du sparen könntest) auf ein anderes Konto transferieren.

Zweiter Schritt: Das Geld nie mehr ausgeben

Das Geld, das Du zur Seite gelegt hast, darfst Du jetzt nie mehr ausgeben. Das klingt verrückt? Es ist aber so: Du darfst dieses Geld nie mehr ausgeben!

Man könnte also sagen, das ist gar kein echter Schritt auf dem Weg zum Reichtum. Schließlich wird da ja gar nichts aktiv gemacht. Wichtig ist es trotzdem: Gib dieses Geld verdammt noch mal nicht aus!

Wie sollen 100.000 Euro, 1 Million Euro oder mehr zusammenkommen, wenn Du nicht einmal 100 Euro zusammenhalten kannst?

Dritter Schritt: Das Geld investieren

Jetzt kommt der eigentliche Kniff: Lasse Dein Geld für Dich arbeiten. Das ist ein wichtiger Teil dessen, was die Vermögenden unserer Welt machen: Sie lassen ihr Geld für sich arbeiten.

Du musst diesen ganz elementaren Schritt verstehen: Geld kann man ausgeben. Also beispielsweise für den Sportwagen, die Yacht, die Villa. Für den Aufenthalt im exklusiven Hotel. Das alles kostet Geld.

Geld kann aber auch investiert werden. Du steckst also Geld in etwas, von dem Du Dir einen Wertzuwachs und/oder einen steten Geldstrom in Deinen Geldbeutel erhoffst. Beispiele dafür wären Firmen (die eigene oder in Form von Aktien und Beteiligungen) und Immobilien (Mieteinnahmen).

Die Kunst ist dann natürlich, das Geld so zu investieren, dass die Rendite möglichst hoch ist. [3]

Vierter Schritt: Mehr Geld investieren

Ein Problem bleibt: Angenommen, Du legst jeden Monat 100 Euro und erzielst eine Rendite von 10 Prozent. Dann hast Du nach 30 Jahren fast 200.000 Euro zusammen. Keine Frage: Das ist eine stolze Summe. Reich bist Du aber immer noch nicht.

Sobald Du Dich an das Sparen (besser: Geld zum Investieren sammeln) gewöhnt hast, musst Du mehr beiseite legen.

Für mich habe ich im Wesentlichen (im Detail etwas komplexer, aber die Idee bleibt) den folgenden Ablauf festgelegt:

  • Geld, das aus meinen Investitionen zurückfließt (z.B. Dividenden, Gewinne aus Aktienverkäufen) wird gleich wieder für weitere Investitionen zurückgelegt.
  • Wenn mein Gehalt steigt, dann wird mein Dauerauftrag angepasst: 50% der Nettoerhöhung fließen von nun an zusätzlich in meine Investitionen.

Ein Gehalt kann durch festgelegte Anstiege z.B. durch Tarifverträge, durch Leistungszulagen, durch Beförderungen und Jobwechsel steigen. Würde ich als Selbstständiger mein Geld verdienen, würde ich mir ein ähnliches System überlegen.

Durch die 50% trage ich steigenden Lebenshaltungskosten Rechnung und stelle gleichzeitig sicher, dass ich immer mehr Geld in meinen Vermögensaufbau stecke.

Münzstapel 20 Cent
Der Weg zum Reichtum: Aus Geld muss mehr Geld werden!

Es gibt aber noch einen anderen Ansatz, der noch etwas sportlicher ist: Wenn ich diesen Monat 100 Euro für Investitionen beiseite lege, dann muss ich im nächsten Monat 5 % mehr (also 105 Euro) beiseite legen. Im Monat darauf erhöhe ich den Betrag um weitere 5 % (das sind dann schon 110,25 Euro). Nach fünf Jahren sind das bereits 1.778,97 Euro im Monat. Dieser Ansatz zwingt mich praktisch, dauernd darüber nachzudenken, wie ich nächsten Monat mehr Geld einnehme als in diesem Monat. Vermutlich wird das nur mit dem eigenen Unternehmen funktionieren. Aber es ist offensichtlich ein echter Turbo für den Vermögensaufbau.

Welchen Ansatz auch immer Du verfolgst, zwei Faktoren sind entscheidend auf Deinem Weg zum Reichtum:

  • Je mehr Zeit Du hast, desto einfacher wird es. Fang also so früh wie möglich damit an, reich zu werden.
  • Steigere Deine Einnahmen. Und passe auf, dass Deine Ausgaben nicht in gleichem Rahmen steigen, sondern etwas langsamer. Je größer die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ist, desto schneller wächst Dein Vermögen.

Ich wünsche Dir und mir viel Erfolg auf dem Weg zum Reichtum!


[1] Die Wahrscheinlichkeit auf „6 Richtige“ liegt bei 1:13.983.816. Da für den Jackpot noch zusätzlich eine „Superzahl“ zwischen 0 und 9 benötigt wird, verringert sich die Eintrittswahrscheinlichkeit noch einmal um den Faktor 10.

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2448/umfrage/entwicklung-der-schuldnerquote-in-deutschland-seit-2004/

[3] Bitte nicht vergessen: Je höher die Rendite, desto höher ist in der Regel auch das Risiko. Man sollte seine Risiken kennen und sie gegen die Chancen abwägen. Wenn Dich ein Prinz aus einem fernen Staat um eine vorübergehende Finanzspritze bittet, um seine Millionen auf Dein Konto transferieren zu können ist zumindest Skepsis angesagt. Eine 10- oder gar 20-prozentige Dividendenrendite sollte man ebenfalls immer erst einmal hinterfragen.

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